Die Woche der alten Festplatten

Liebes Tagebuch,

letzte Woche war die offizielle "Woche der alten (und sterbenden) Festplatten. Ein PC kam in die Werkstatt, eine Festplatte (9 Jahre alt) mit einigen defekten Sektoren, Partition schon als RAW angezeigt. Da hat unser toolhouse Recovery wieder gute Dienste geleistet, shoutout an dieser Stelle. Gleichzeitig hatte der PC noch eine Festplatte mit abgestorbenem Lese-Schreib-Kopf - schade, die wäre im Oktober volljährig geworden, sprich Baujahr 2004 😬

Außerdem hab ich eine defekte externe Festplatte reinbekommen. Die Kundin meinte, das hat sich schon jemand angesehen, derjenige hätte aber nicht das Werkzeug o.ä. - mir fällt die Formulierung nicht mehr ein - um die Platte auszulesen. Relativ unbedarft hab ich die Festplatte in den Wechselschacht von unserem Datenrettungs-PC geschoben. Hatte den Effekt, dass der PC sofort ausging. Genau genommen war die Platte noch nicht mal richtig im Schacht, ich hatte die auch schnell wieder rausgezogen... Eigentlich wollte ich das Opfer schon abschreiben, aber da ich ja eigentlich mehr Reparaturen auf Chiplevel machen und Erfahrung sammeln möchte, hab ich mich doch dafür entschieden, zumindest mal genauer nachzuforschen. Ja ja, ich komme langsam mal zum Punkt!

Unser Patient ist eine Hitachi Deskstar, Baujahr 2008. Auch ein Test mit einem externen Netzteil hat den Kurzschluss bestätigt, genau wie ein Nachmessen mit Multimeter an den ensprechenden Pins vom SATA-Strom: die drei Pins von vorne gesehen aus rechts (13 bis 15) entsprechen +12V, Masse ist unter anderem der Pin direkt links davon (Pin 12), Multimeter piept. Wärmeentwicklung gab es mit externem Netzteil keine... wäre ja zu einfach! An dieser Stelle war ich eigentlich doof und habe ein wenig Zeit damit verschwendet, die Kerkos zu testen. Sind wir mal ehrlich, nach 14 Jahren fallen Kerkos nicht mehr aus, das wäre viel früher geschehen, von äußerer Gewalt mal abgesehen. Trotzdem spontan gemessen, an drei Kerkos war der Kurzschluss messbar, diese habe ich auf dem Bild hier blau markiert:

Platine einer Hitachi Deskstar nach Entfernen einer Diode

Die Kerkos hab ich jeweils einzeln mit Heißluft ausgelötet und danach kontrolliert, natürlich keine Änderung. Ich hatte mal aufgeschnappt, dass Dioden auf Festplatten gerne mal sterben - also war das mein nächster Verdacht und ehrlich gesagt einziger Anhaltspunkt, von dem Mosfet mal abgesehen. Rot umrandet ist die ehemalige Position dieses kleinen Freundchens:

Diode "LE 8AA"

Jetzt kommt meine mangelnde Erfahrung ins Spiel: ich halte das für eine Diode, war mir in dem Moment aber auch nicht 100% sicher. Multimeter sagte auf jeden Fall: Durchgang in beide Richtungen, könnte tatsächlich eine defekte Diode sein. Testweise ausgelötet und tada, die Platte läuft. Ich rate zwar dringend vom weiteren Betrieb ab, aber Auslesen war dann keine größere Schwierigkeit mehr.

Demnächst werde ich wahrscheinlich von einem noch älteren Fund berichten 😄